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HDR-Brachytherapie1

Die Bestrahlung mit hoher Dosisrate von innen wird auch „Afterloading“- Verfahren (englisch „Nachlade-Verfahren“) genannt. Es werden Strahlungsquellen durch mehrere dünne Hohlnadeln direkt in die Prostata eingebracht. Dabei handelt es sich um Iridium 192, das nur eine kurze Reichweite hat. So kann im Tumorgewebe eine hohe Dosis abgeben werden, ohne dass das umliegende Gewebe geschädigt wird. Der Eingriff wird unter Narkose durchgeführt.

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1 HDR : High-Dose-Rate, Hochdosis-Strahlung (≥ 10 Gy/h); "brachys" (griech.) = kurz, Kurzdistanzstrahlung;

 

  • Afterloading 1
  • Afterloading 2

© Takeda Pharma

 

Ablauf des Afterloading

  • Planung: Nachdem Urologe und Strahlentherapeut die Indikation zur Afterloadingtherapie gestellt haben, wird sechs bis acht Tage vor dem Eingriff die Planung mittels transrektalem Ultraschall (durch den Enddarm) erstellt. Die so entstandenen Bilder werden an einen Planungsrechner übermittelt. Anhand der Größe, Form und Lage der Prostata berechnet der Strahlentherapeut die Durchführbarkeit der Afterloadingtherapie Blutverdünnende Medikamente wie Aspirin, ASS oder Plavix® müssen in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt eine Woche vor der Operation abgesetzt werden. Am zweiten Tag vor dem Eingriff erfolgt die Einnahme eines Antibiotikums sowie eines Alpha-Blockers gemäß der ärztlichen Verordnung. Am Tag vor dem Eingriff sollten schwer verdaulich Speisen gemieden werden. Sechs Stunden vor dem Eingriff darf weder gegessen noch getrunken werden. Am Abend vor dem Eingriff erfolgen abführende Maßnahmen, um den Enddarm zu leeren.
  • Der Eingriff: In Zusammenarbeit mit dem Strahlentherapeuten bringt der Urologe unter transrektaler Ultraschallkontrolle spezielle Hohlnadeln an die zuvor berechneten Positionen in die Prostata des Patienten ein. Dies geschieht in einer kurzen Narkose. In einem nächsten Schritt werden Ultraschall-Schichtbilder für die Bestrahlungsplanung angefertigt. Mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms berechnet der Strahlentherapeut die Beladung der einzelnen Hohlnadeln mit der Iridium-192-Quelle. Die winzige Strahlenquelle kann in Millimeter-Schritten jede Position der Nadel abfahren und an den errechneten Haltepunkten über einen definierten Zeitraum ihre Strahlung abgeben. Insgesamt werden bis zu 200 mögliche Haltepunkte der Strahlenquelle definiert. Nachdem Bestrahlungsplan und Dosisverteilung fertig gestellt sind, werden alle Nadeln mit dem Afterloading-Gerät mittels dünner Ausfahrschläuche verbunden. Dann erst erfolgt die eigentliche Bestrahlung, d.h. die Strahlenquelle fährt nun Nadel für Nadel ab und bestrahlt den Tumor vor Ort. Dabei sind die Nadeln fest in der Prostata fixiert, so dass sich Ziel- und Risikoorgane in ihrer Lage und Entfernung zueinander nicht ändern. Die reine Bestrahlungszeit dauert nur wenige Minuten und der Patient befindet sich währenddessen in einem speziellen Strahlenschutzbunker. Genauso wie bei der Seed-Implantation können Urologen und Strahlentherapeuten die Behandlung in Echtzeitübertragung mittels modernster Computertechnik auf dem Monitor verfolgen. Dabei werden kleinste Abweichungen der Implantationsnadeln von dem zuvor berechneten Bestrahlungsplan sofort berücksichtigt und entsprechend optimiert. Nachdem die Prostata vollständig bestrahlt wurde, können die Nadeln wieder entfernt werden und der Patient kann aus der Narkose erwachen. Der Eingriff dauert in der Regel 60 bis 90 Minuten. Zwischen den zwei bis drei Behandlungen (Dosis je etwa 10 Gy)sollte jeweils mindestens eine Woche Pause liegen.
  • Die zusätzliche äußere Bestrahlung nimmt ca. 5 Wochen in Anspruch und wird in den meisten Kliniken nach dem HDR-Afterloading durchgeführt. Insgesamt wird 25 Mal mit je zwei Gy Einzeldosis bis zu einer Gesamtdosis von 50 Gy an fünf Tagen pro Woche bestrahlt.
  • Danach: Die urologischen Nachsorgeuntersuchungen wie die Bestimmung des PSA-Wertes, eine Ultraschalluntersuchung sowie die Bestimmung von Erektionsfähigkeit und Miktion anhand standardisierter Fragebögen erfolgen zunächst vierteljährlich. Normalerweise können die Patienten Ihre beruflichen Aktivitäten innerhalb weniger Tage nach dem Eingriff wieder aufnehmen. In der ersten Zeit sollten die Behandelten sich körperlich schonen und auf Folgendes achten: In den ersten zwei Wochen sind Baden, Schwimmen Saunabesuche, sexuelle Aktivitäten sowie schweres Heben verboten. Druckbelastung von Prostata und Damm, z. B. durch Fahrradfahren, Reiten oder Sitzen auf harten Flächen sollte für etwa vier Wochen vermieden werden.

 

Äußere Bestrahlung vor dem Afterloading:

Diese Reihenfolge wird  in einigen Kliniken bevorzugt; sie soll den Vorteil bieten, dass man die gezieltere Afterloading-Bestrahlung besser an die persönliche Strahlenverträglichkeit des einzelnen Patienten (Nebenwirkungen an Blase/Darm) anpassen könne (laut eMail vom 06.06.2011 des Dr. P. Derakhshani, Leitender Arzt am WPZ Köln).

 

Die ärztliche Leitlinie empfiehlt die HDR-Brachytherapie als Behandlungsmöglichkeit ...

  • nur in Verbindung mit einer anschließenden perkutanen Strahlentherapie für Tumore der Kategorie ≤ cT3 (ohne Fernmetastasen in Knochen und Lymphknoten). Für Tumore der Kategorie cT4 ist sie nicht geeignet. Inwieweit ein unterstützender Hormonentzug das Behandlungsergebnis verbessert, ist wissenschaftlich nicht belegt.
  • Eine alleinige HDR-Brachytherapie ohne anschließende perkutane Bestrahlung soll nur bei Patienten mit Tumoren niedrigen Risikoprofils und nur im Rahmen klinischer Studien erfolgen.

 

Innere und äußere Bestrahlung - eine effektive Kombination

Das Afterloading wird in der Regel mit einer äußeren Bestrahlung kombiniert. Die Dosis der äußeren Bestrahlung kann allerdings wegen der zusätzlichen und hochdosierten inneren Bestrahlung deutlich verringert werden. Komplikationen und Belastungen für den Patienten werden dadurch stark vermindert. Die kombinierte Afterloadingtherapie ist besonders effektiv bei lokal-fortgeschrittenen Prostatakarzinomen ohne Fernmetastasen, da sie einen großen Sicherheitsbereich um die Prostata herum mit einbezieht und gleichzeitig auch die benachbarten Lymphknoten mit erfasst.

 

Nebenwirkungen

Auch dieses Verfahren ist mit allen oben erwähnten Nebenwirkungen der Bestrahlung verbunden. Außerdem ist folgendes zu beachten:

  • Da auf einmal eine sehr hohe Strahlendosis verabreicht wird, können die Nebenwirkungen unter Umständen deutlich stärker ausfallen als bei der perkutanen Strahlentherapie.
  • Durch die erhöhte Strahlendosis kann es vermehrt zu Harnröhrenverengungen und in der Folge zu chronischen Harnröhrenentzündungen kommen.
  • Zusätzlich kann sich bei zehn bis 20 von 100 Männern in der Prostata durch Einlagerung von Wasser ein Ödem bilden. Das kann Schwierigkeiten bei der Entleerung der Blase bereiten.
  • Auch die HDR-Brachytherapie ist ein operativer Eingriff. Damit sind zusätzliche Risiken verbunden, etwa das Narkoserisiko oder die Möglichkeit einer Infektion der Prostata durch Darmbakterien.

 

 

 

 


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