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Radikale Prostatektomie

In einem ersten Schritt ...

werden die der Prostata und Harnblase benachbarten Beckenlymphknoten entfernt (pelvine Lymphadenektomie). Eine mikroskopische Untersuchun,der so genannten Schnellschnittuntersuchung wird noch während der Operation festgestellt, ob sich bereits Tochtergeschwülste des Prostatakarzinoms in den Lymphknoten abgesiedelt haben.

 

  • Sind die benachbarten Lymphknoten tumorfrei, lässt sich auf einen auf die Prostata begrenzten Tumor schließen.
  • Sind nur einzelne oder wenige Lymphknoten befallen, kann eine (komplette) "systematische" Lymphknotenentfernung - in Verbindung mit der radikalen Prostatektomie - die Heilungschance wahren. Allerdings nimmt mit jedem zusätzlich entfernten Lymphknoten die Gefahr der Ausbildung eines Lymphödems zu.
  • Ein Befall von vielen Lymphknoten mit Tumorzellen kann ein Grund sein, das geplante Vorgehen zu ändern und von der Prostataentfernung Abstand zu nehmen. Möglicherweise kann es in dieser Situation für Sie (wegen der Nebenwirkungen der Operation) günstiger sein, eine andere Behandlung, z.B. eine Hormontherapie, zu wählen.

 

Im zweiten Operationsschritt ...

löst der Operateur das beidseitig anliegende Nervengewebe schonend ab; es lässt sich allerdings nur schwer von der Kapsel trennen und wird bevorzugt von dem sich ausbreitenden Tumor befallen; nur wenn das Nervengewebe frei von Tumorzellen ist, kann es einseitig oder im besten Falle beidseitig funktionsfähig (Erektionsfähigkeit) erhalten werden. Dann durchtrennt der Operateur die Harnröhre zwischen Prostataspitze (Apex) und Beckenboden, durchtrennt die beiden Samenleiter, löst die beiden Samenblasen aus ihrem Bett und schneidet schließlich die letzte Verbindung oberhalb der Prostata am Blasenhals durch. Damit wird also ein Block aus Prostata samt der darin befindlichen Harnröhre, innerem Schließmuskel, Samenblasen und Samenleiter-Endstücken entfernt.

Drittens und abschließend ...

wird eine neue Verbindung (Anastomose) zwischen Blase und Harnröhre hergestellt und mittels Nähten über einem eingelegten Dauerkatheter gesichert. Hier ist die vom Operateur angewandte Technik und seine Erfahrung entscheidend für den Erhalt der Kontinenz. Der Dauerkatheter dient gleichzeitig der Sicherung des Urinabflusses aus der Harnblase in der Zeit nach der Operation. Anschließend legt man eine Wunddrainage ein, die den Abfluss des Wundsekretes sicher stellt, und verschließt den Hautschnitt. Nach der Operation wird der Patient in aller Regel für einige Zeit auf einer Überwachungsstation betreut.

Die Zeit nach dem Eingriff ...

ist für den Erfolg der Operation von großer Bedeutung. Zur Vermeidung allgemeiner Komplikationen, die bei jedem operativen Eingriff auftreten können, wie etwa das Auftreten von Thrombosen (Bildung von Blutgerinnseln), Embolien (Schlagaderverschlüssen durch verschleppte Gerinnsel) und Lungenentzündungen ist eine frühzeitige Mobilisation (Bewegungstraining) des Patienten wichtig. Bereits sehr früh nach der Operation werden Sie mit krankengymnastischen Übungen beginnen und mit entsprechender Hilfe aufstehen. Durch die frühzeitige Mobilisation wird das Herz-/Kreislaufsystem stabilisiert und das Wiedereinsetzen der Darmtätigkeit nach der Operation gefördert.

Die Wunddrainage wird in Abhängigkeit von der Fördermenge nach einigen Tagen gezogen. Der bei der Operation eingelegte Dauerkatheter, der dem Urinabfluss aus der Harnblase und der inneren Schienung der neuen Blasen-/Harnröhrenverbindung dient, wird ebenfalls nach einigen Tagen entfernt. Bei der hierzu notwendigen Röntgenuntersuchung, dem so genannten Zystogramm, wird über den liegenden Dauerkatheter Kontrastmittel in die Harnblase gegeben und die Dichtigkeit der neuen Blasen-/Harnröhrenverbindung (Anastomose) überprüft. Wenn die Anastomose dicht ist, wird der Katheter in der gleichen Sitzung entfernt. Nur in sehr wenigen Fällen muss der Dauerkatheter wegen Undichtigkeit der neuen Verbindung noch einige weitere Tage liegen bleiben, was aber für den Operationserfolg und die spätere Dichtigkeit (Kontinenz) in der Regel ohne Bedeutung ist. Kurz nach der Katheterentfernung wird der Patient nach Hause entlassen.

 

Ein ausführliches Arztgespräch mit dem Operateur ist wichtig!

Lassen Sie sich vor Ihrer Therapieentscheidung und vor Ihrer Operation erschöpfend von Ihrem Operateur aufklären, ...

  • welches Operationsverfahren in Abhängigkeit von Ihrem individuellen Erkrankungsstadium bei Ihnen durchgeführt werden sollte;
  • welche Schnellschnittuntersuchung gemacht wird und besprechen Sie, welche Konsequenzen das Ergebnis für Ihre weitere Therapie haben wird;
  • über eine eventuelle Lymphadenektomie und die Nebenwirkungen,
  • über die Möglichkeit einer Nervenschnonung bzw. den Erhalt der Potenz (Erektionsfähigkeit);
  • über die vom Operateurangewandte Anastomosetechnik bzw. die Vermeidung von Inkontinenz.
  • Machen Sie sich kundig über die Erfahrung des Operateurs in der für Sie vorgesehenen Operationstechnik;
  • stellen Sie sich gegebenenfalls auch einem weiteren Operateur vor
  • und prüfen sie alternative Operationstechniken.

 

Studie zum Erhalt des inneren Schließmuskels bei radikaler Prostatektomie

Immer noch in der wissenschaftlichen Diskussion ist das Thema Frühkontinenz (zeitlicher Abstand zur Operation) und die bleibende Harninkontinenz. Um die Blasenkontrolle nach radikaler Prostataentfernung weiter zu verbessern, werden zur Zeit neue Operationstechniken der Anastomose erprobt.

Der sog. "innere Schließmuskel", zu dem auch der Blasenhals gerechnet wird, wurde bereits frühzeitig als Anteil des Kontinenzapparates (Schließmuskelsystem) identifiziert. In der Zwischenzeit haben einige Studien die Eigenständigkeit des inneren Schließmuskels für den Erhalt der Harnkontinenz auch nach Verlust (z.B. durch einen Verkehrsunfall) des für die Harnkontinenz wichtigen äußeren Schließmuskels bestätigt.

Auf dieser Grundlage wurde an der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg die sog. "blasenhalserhaltende" Technik bei radikaler Prostatektomie (BHERP) sowohl für die minimal-invasive Da Vinci als auch die offene Operationstechnik entwickelt. Ziel ist, sowohl den inneren wie den äußeren Schließmuskel zu erhalten. Dadurch sei eine Verkürzung der Dauer bis zum Erreichen einer vollständigen Harnkontinenz bzw. eine Erhöhung des Anteils an kontinenten Patienten bei Hochrisikopatienten zu erwarten.

Eine vergleichbare Studie hat die Martini-Klinik in Hamburg durchgeführt und eine eigene Technik der RP entwickelt: "(Wir haben)unsere Technik der radikalen Prostatektomie zugunsten einer individualisierten Apexpräparation mit dem kompletten Erhalt der funktionellen Harnröhrenlänge (Full-Functional-Length Urethral = FFLU) modifiziert. Die komplette Länge der funktionellen Harnröhre wird geschont durch eine individuelle chirurgische Respektierung der anatomischen Apexform, welche einer hohen intraindividuellen Variation unterliegt. Je nach Form des Apex werden 10 – 40 % der funktionellen Harnröhre von Prostatagewebe überdeckt ..." (Schlomm et al, Martini-Klinik)

 


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