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Die radikale Prostatektomie (RP) ist der am häufigsten durchgeführte Eingriff, wenn Prostatakrebs diagnostiziert wird.

Man möchte die Heilung; die Prostata und damit der Krebs sollen möglichst vollständig entfernt werden. Das ist möglich, wenn der Krebs auf die Prostata begrenzt ist und die Kapsel der Prostata noch nicht durchbrochen hat. Die vollständige Entfernung nennt man R0- Resektion, das bedeutet: Bei der anschließenden feingeweblichen Untersuchung des entfernten Organs sind die Schnittränder frei von Krebszellen.

Allerdings sollten Sie wissen, dass auch eine radikale Entfernung der Prostata bei drei von zehn operierten Männern nicht zur Heilung führt. Stattdessen kommt es im Laufe der nächsten Jahre wieder zu einem PSA-Anstieg und zu erneuter Tumorbildung am Ort der Operation (lokales Rezidiv) oder in anderen Körperregionen (Metastasen).

 

Zugangswege

Die Prostata liegt tief im kleinen Becken, unterhalb der Harnblase und oberhalb des Beckenbodens. Es gibt zwei Wege, sie zu erreichen:

  • von oben, vom Bauch aus; hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:
    • "klassisch" über einen senkrechten Hautschnitt am Unterbauch oberhalb des Schambeins (Os pubis) und dann ohne Eröffnung des Bauchfells vor der Harnblase und hinter dem Schambein (retropubisch), deshalb offene RP oder retropubische RP genannt,
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    • oder minimalinvasiv durch mehrere (meist 5) kleine Hautschnitte am Unterbauch (minimal invasive OP), über die ein Endoskop und andere Instrumente eingeführt werden,
      • entweder durch den Bauchraum (laparoskopische RP, LRP)
      • oder außerhalb des Bauchfells (Peritoneum, deshalb endoskopische extraperitoneale RP, EERP genannt).
    • Beide endoskopische Verfahren sind auch mit Unterstützung eines Roboters möglich, der vom Operateur gesteuert wird.
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  • von unten, das bedeutet: über einen Hautschnitt am Damm (lat: perineum, daher: perineale RP) zwischen Hodensack und Anus;
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Aus tumorchirurgischer Sicht sind alle genannten Verfahren als gleichwertig einzustufen. Die offen durchgeführte retropubische radikale Prostatektomie (RRP) ist die am besten untersuchte Technik, an der sich alle anderen Verfahren messen müssen. Jedes hat seine eigenen Vorteile und möglichen Nachteile, so dass die Auswahl individuell getroffen werden muss. In geübter Hand scheinen alle insgesamt gleich gut zu sein. Jedoch gibt es bisher kaum vergleichende Studien und für die neueren, vor allem die endoskopischen und roboterassistierten Verfahren, liegen noch keine Langzeitergebnisse vor.

 

  • Rp 1 Op ZugangZugangswege RPE
  • Rp 2 Vor OpProstata vor OP
  • Rp 3 Nach OpProstata nach OP

 

 

Nervenschonung

Bei dem Eingriff wird die gesamte Prostata einschließlich der Samenblasen und der Endstücke der Samenleiter entfernt. Unmittelbar an der Prostata entlang verlaufen die Nerven, die für die Erektion sorgen; sie sollten bei der Operation möglichst geschont werden. Dies ist bei Tumoren bis zur Größe von cT1c beiderseits möglich. Bei Tumoren der Kategorie cT2a und 2b kann nur der Nerv auf der vom Tumor nicht betroffenen Seite erhalten werden. Wenn der Tumor größer ist, kann das Tumorgewebe nur dann vollständig entfernt werden, wenn auf die Nervenschonung verzichtet wird. Soll hier eine Heilung erreicht werden, ist die Nervenschonung also nicht möglich.

 

Vor- und Nachteile

Der Vorteil der radikalen Prostatektomie liegt in der Chance, den Krebs zu heilen. Das ist vor allem bei früh entdeckten Tumoren wahrscheinlich. Aber die Operation ist ein Eingriff mit möglichen Nebenwirkungen. Zu den Häufigkeiten der Nebenwirkungen nach der Operation gibt es in der Literatur widersprüchliche Angaben. Das liegt an unterschiedlichen Operationsmethoden und unterschiedlichen Tumorausdehnungen, die untersucht wurden. Außerdem werden bestimmte Nebenwirkungen wie zum Beispiel die Harninkontinenz in den einzelnen Studien sehr unterschiedlich definiert.

  • Rp Risiko 1 SchliessmuskelSchließmuskel vor/nach OP
  • Rp Risiko 2 NervenGefäß- u. Nervengewebe
  • Rp Risiko 3 Tumor RandTumor in der Kapsel

 

 

Nebenwirkungen und Häufigkeit

Harninkontinenz (Unfreiwilliger Urinverlust)

  • Nach dem Ziehen des Blasenkatheters haben die meisten Männer Probleme beim Halten des Urins. In der Mehrzahl der Fälle bessert sich dies nach den ersten Wochen bzw. Monaten.
  • Drei Monate nach der Operation hat noch etwa jeder zweite Patient Kontinenzprobleme.
  • Es gibt Studien, bei denen fünf Jahre nach der Operation 28 von 100 Männern Windeleinlagen benötigen. Andere Untersuchungen ergaben, dass 18 Monate nach der Operation zwischen vier und 21 von 100 Männern gelegentlich (zum Beispiel beim Husten oder Niesen) einen unkontrollierten Harnabgang haben und bis zu sieben von 100 Männern dauerhaft inkontinent bleiben.

Impotenz (Erektile Dysfunktion)

  • Je nach Operationstechnik sind zwischen 20 und 80 von 100 Männern nach der Operation nicht in der Lage, eine Erektion zu bekommen oder zu halten.
  • Bei nervenschonender Operation haben bis zu 30 von 100 Männern Erektionsstörungen.
  • Ist ein Nervenerhalt auf Grund der Tumorausdehnung nicht möglich, bleiben bis zu 80 von 100 Männern dauerhaft impotent.
  • Verschiedene Hilfsmittel können den Geschlechtsverkehr mehr oder weniger ermöglichen.

Weitere mögliche Nebenwirkungen

  • Nach der Prostatektomie kann es bei bleibender Impotenz zu einer Verkürzung des Penis kommen.
  • Eine Anastomosenstriktur (eine durch Narbenbildung verursachte Verengung am Blasenhals, die unangenehme Probleme beim Wasserlassen verursacht) kann bei bis zu zehn von 100 Männern auftreten.
  • Bei perinealem Zugang:
    • Stuhlinkontinenz in seltenen Fällen;
    • Verletzungen im Enddarm bei bis zu elf von 100 Männern.
  • Bei retropubischem Zugang:
    • Neurapraxie (vorübergehende Nervenschädigung durch Druck während der Operation) in den Beinen bei bis zu 25 von 100 Männern.
  • Bei laparoskopischem Zugang muss mit einer schlechteren Kontinenz gerechnet werden.

 

Das entnommene Gewebe wird in jedem Fall histologisch untersucht, woraus sich die postoperative Tumorklassifikation (Typ und Malignität, z.B. Gleason-Score) und das pathologische TNM-Stadium ergeben. Letzterem wird bei tumorfreien Schnitträndern ein R0 (Rand Null) hinzugefügt, ansonsten ein R1, R2 oder R+, was eine unvollständige Tumorentfernung bedeutet.

 

Eine RPE kommt für Sie in Frage, wenn ...

 

  • Ihr allgemeiner Gesundheitszustand das Operationsrisiko rechtfertigt;
  • eine vollständige Entfernung des Tumorgewebes wahrscheinlich ist (das ist beim lokal begrenzten Prostatakarzinom der Fall);
  • Sie eine voraussichtliche Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren haben;
  • für Sie persönlich der zu erwartende Nutzen der Operation die Risiken überwiegt.

Eine RPE sollten Sie vor allem erwägen, wenn ...

  • die obigen Bedingungen auf Sie zutreffen und die diagnostischen Untersuchungen einen lokal begrenzten Tumor mit mittlerem oder hohem Progressionsrisiko ergeben haben.

 


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