LOGIN

Bewertung: 0 / 5

Rating Star BlankRating Star BlankRating Star BlankRating Star BlankRating Star Blank
 

Ein neues Wunderheilmittel?

Anders als bei vielen anderen Berichten über Wunderheilungen bei Krebs gibt es in Sachen Methadon-Therapie tatsächlich eine durch experimentelle Arbeiten untermauerte Hypothese.

2007 entdeckte die Ulmer Chemikerin Dr. rer. nat. Claudia Friesen, dass D-L-Methadon eine bis dahin ungeahnte Rolle in der Krebstherapie spielen könnte. Schmerzen führen im Körper zu einer Vermehrung von Opioidrezeptoren. Über die Bindung an sogenannte Opioidrezeptoren entfalten Medikamente aus der Morphingruppe ihre schmerzstillenden Effekte. Auch Krebszellen tragen viele Opioidrezeptoren an ihrer Oberfläche. Auch Methadon bindet sich an diese Opioidrezeptoren.

Die Wirkung von Methadon im Körper eines Krebskranken

Wenn Methadon am Opioidrezeptor einer Krebszelle andockt, werden in der Zelle Mechanismen in Gang gesetzt, die den programmierten Krebszelltod aktivieren (Apoptose, abgeleitet vom altgriechischen Wort für „abfallen“).
Die Apoptose wird unter anderem über die Aktivierung der eiweißabbauenden Enzyme Caspasen-9 und Caspasen-3 gefördert. Die ansonsten der Apoptose entgegenwirkenden Eiweißverbindungen Bcl-xL und XIAP werden im Weiteren ausgeschaltet wodurch die Krebszelle ihrem Absterben zugeführt wird.
Über diesen Effekt hinaus gibt es aber noch andere hochinteressante Aspekte.
Wenn sich Methadon an die Opioidrezeptoren von Krebszellen bindet, werden in der Zelle Eiweiße (G-Proteine) aktiviert, welche über eine Blockade der Adenylatcyclase das sogenannte zyklische Adenosinmonophosphat (cAMP) heruntersteuern.

Dieser Aktivierungsweg verstärkt die Wirksamkeit der Chemotherapie.

2013 erkannte Frau Dr. Friesen in Laborexperimenten, dass Krebszellen möglicherweise mehr von der zugeführten Chemotherapie aufnehmen und weniger ausschleusen, wenn zuvor D-L-Methadon an deren Opioidrezeptor gebunden ist.
Die Chemotherapie wiederum ruft – wie der Schmerz - eine vermehrte Bildung von Opioidrezeptoren hervor.
Die Krebszellen weisen demzufolge nach der Chemotherapiebehandlung ggfs. eine höhere Anzahl von Opioidrezeptoren auf.
Somit kann sich wiederum mehr D-L-Methadon an die Krebszellen anbinden und dafür sorgen, dass die Chemotherapie verstärkt in die Krebszellen aufgenommen wird beziehungsweise länger in den Krebszellen verbleibt. Frau Dr. Friesen spricht von einem „doppelten Synergismus“.

Prospektive klinische Studien fehlen bislang

All das wurde in In-vitro-Versuchen und im Tierversuch  am Institut für Rechtsmedizin der Universität Ulm von Dr. Claudia Friesen und ihrem Team gezeigt. Dabei handelte es sich zunächst um Zufallsbefunde. Dass tatsächlich Tumorpatienten mit ungünstiger Prognose von Methadon profitieren, war ebenfalls ein Zufallsbefund. Das betont der Palliativmediziner  Dr. Hans-Jörg Hilscher: Er beobachtete, dass Krebspatienten, die er wegen Schmerzen mit Methadon behandelt hatte, deutlich länger lebten als erwartet. Seiner Erfahrung nach wirkt die Beigabe von D-L-Methadon zu Chemotherapeutika bei allen Krebsarten.
Eine Erklärung dafür fand er in den Arbeiten von Dr. Friesen. Seitdem sammeln Friesen und Hilscher Daten und kämpfen darum, dass das Potenzial von Methadon weiter erforscht wird.
Fachgesellschaften äußern sich sehr zurückhaltend. Denn in der Tat fehlen prospektive klinische Studien, die eindeutig belegen, dass die Therapieerfolge tatsächlich dem Synergismus von Methadon und Zytostatika zu verdanken sind. Doch Gelder für solche Studien zu bekommen, erweist sich als schwierig. Das Interesse großer forschender Pharmafirmen dürfte angesichts dieses wohl nicht patentierbaren Ansatzes gering sein. Ungeachtet dessen wurde am Universitätsklinikum Ulm unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Seufferlein eine Phase-I/II-Studie zum Effekt von Methadon bei chemorefraktären kolorektalen Karzinomen konzipiert, die zur Förderung eingereicht werden soll.
Jeder Arzt kann D-L-Methadon zur Schmerzbehandlung verschreiben. Alle durch Nervenschädigung ausgelöste Schmerzen reagieren besonders gut auf die Behandlung mit Methadon.

Nebenwirkungen von Methadon sind:

"Abhängigkeit, am Anfang Übelkeit, Schwindel und Benommenheit und dauerhaft Verstopfung. Gewichtszunahme eventuell dadurch, dass die Krankheit zurückgeht."
"Sie werden von Methadon schon nach kurzer Zeit abhängig, das heißt Sie bekommen beim abrupten Absetzen Entzugserscheinungen, süchtig werden Sie nur von Substanzen, die einen Kick verursachen, genau deswegen, weil es Kicks blockiert, wird es in der Drogenentzugsbehandlung eingesetzt." (Dr. Hans-Jörg Hilscher, © Chat im Stern-TV v. 21.06.17).

Methadon für die Pharmaindustrie nicht profitabel

 Man muss wissen, dass Methadon an sich kein Handelspräparat ist. Man kann es nicht einfach auf ein Rezept schreiben, sondern man muss es in der Apotheke anrühren lassen. Methadon ist zugelassen für die Schmerztherapie. Es darf als Schmerzmittel begleitend zur Krebstherapie verschrieben werden.
Die Grundsubstanzen für Methadon-Präparate sind vergleichsweise kostengünstig. Womöglich ein weiterer Grund, warum Methadon für die Pharmaindustrie so uninteressant ist, meint Claudia Friesen: "Methadon kostet zwischen acht und 20 Euro für 100 ml, die 4-6 Wochen reichen. Wenn man das mit den sehr teuren Krebs-Medikamenten vergleicht, die 20.000 bis 25.000 Euro kosten, hat Methadon kaum eine Chance." (Dr. Claudia Friesen, © Chat im Stern-TV v. 21.06.17).

 

VIDEOS:

  1. Methadon als Krebsmittel, ARD, 14.04.17
  2. Methadon gegen Krebs, Stern-TV, 21.06.17
  3. Methadon gegen Krebs, Talk, Stern-TV, 21.6.17

 


Anmelden
Dezember 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
27 28 29 30 1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31
Go to top Arrow Up C