Vier Buchstaben können Patienten mit Prostatakrebs neue Hoffnung geben: PSMA.

Diese Abkürzung steht für prostata-spezifisches Membran-Antigen, ein auf der Oberfläche von Prostatakarzinomzellen in hoher Konzentration vorkommendes Molekül.

Am Universitätsklinikum Jena (UKJ) wurde nun erstmals ein Patient mit fortgeschrittenem, therapieresistentem Prostatakarzinom mit einer neuen Methode behandelt, die auf dem Vorhandensein dieses Moleküls beruht. Mediziner sprechen bei diesem Verfahren von der sogenannten PSMA-Therapie.

„Die PSMA-Therapie ist eine weitere vielversprechende Option für Patienten, bei denen die herkömmlichen Therapieformen wie die operative Entfernung des Prostatakarzinoms, Hormon- oder Chemotherapien keine Wirkung mehr zeigen oder die darauf mit Unverträglichkeit reagieren“, sagt Privatdozent Dr. Martin Freesmeyer, Chefarzt an der Klinik für Nuklearmedizin am UKJ.

Bei dieser Therapie wird dem Patienten eine mit dem schwach radioaktiven Nuklid 177-Lutetium markierte und eigens in der Radiopharmazie der Klinik für Nuklearmedizin am UKJ hergestellte Substanz injiziert. Diese bindet an das PSMA-reiche Tumorgewebe und bestrahlt es mithilfe der Radioaktivität von innen. „Da fast ausschließlich die Tumorzellen das radioaktive Medikament aufnehmen, wirkt die Strahlung nahezu nur im Prostatakarzinom, nicht jedoch im gesunden Gewebe des Umfeldes“, bestätigt der Nuklearmediziner die Wirkungsweise. Die Besonderheit dieser Therapie liegt zudem darin, dass bereits im Vorfeld anhand eines Bildgebungsverfahrens untersucht werden kann, ob eine PSMA-Therapie erfolgversprechend ist. Durch diese individuelle und zielgerichtete Auswahl der Patienten können weniger chancenreiche Therapien vermieden werden.

Erste Erfahrungen anderer Kliniken zeigen, dass die Therapie gut verträglich ist und weit über die Hälfte der behandelten Patienten darauf anspricht. Neben einer Abnahme der Tumormassen oder der Verhinderung eines weiteren Tumorwachstums führt die Therapie auch zu einem sinkenden PSA-Wert, dem Standardtumormarker des Prostatakarzinoms.

„Insgesamt wirkt die Therapie palliativ. Die Tumorerkrankung schreitet langsamer fort und der Patient hat weniger Schmerzen. Dadurch wird seine Lebensqualität entscheidend verbessert. In Einzelfällen sind nach der Therapie zwar keine Tumorherde mehr nachweisbar, jedoch ist das realistische Ziel einer solchen Therapie nur das Aufhalten und Hinauszögern der Erkrankung“, so Chefarzt Freesmeyer. Dabei zeigen sich bei diesem neuartigen Ansatz nur moderate Nebenwirkungen. Beispielsweise kann sich das Blutbild durch die Therapie vorübergehend verändern.

© Anne Böttner, UKJ