Schwedische Prostatakrebs-Studie

Nach den Daten einer lang angelegten schwedischen Studie überlebten mehr Männer mit Prostatakrebs, deren Prostata entfernt wurde, verglichen mit einer Gruppe, bei denen der Krebs nur beobachtet wurde.

Besonders deutlich war der Unterschied bei Patienten unter 65 Jahren und bei Patienten mit intermediärem Risiko. Die Studie wurde am 6. März im "New England Journal of Medicine" publiziert.



Zwischen 1989 und 1999 wurden 695 Männer mit Prostatakarzinom im Frühstadium auf zwei Gruppen randomisiert und bis Ende 2012 nachverfolgt. Die einen erhielten eine Prostatektomie, die anderen wurden nur beobachtet („Watchful Waiting“, WW).

Nach 23,2 Jahren Follow-up waren 200 der 347 Männer der Operationsgruppe und 247 der 348 Männer in der WW-Gruppe gestorben. Bei den Männern mit Prostatektomie beruhten 63 Todesfälle auf Prostatakrebs im Unterschied zu 99 bei der nur beobachteten Gruppe. Das relative Risiko (RR) betrug 0,56 (95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,41–0,77; P=0,001), die absolute Differenz betrug elf Prozentpunkte. (95%-KI: 4,5–17,5). Es mussten demnach rechnerisch acht Männer behandelt werden, um einen zu retten.
Bei Patienten unter 65 Jahren war der Vorteil durch die Operation am höchsten (RR 0,45), ebenso bei Patienten mit intermediärem Progressionsrisiko (RR 0,34). Bei älteren Patienten zeigte sich ein geringeres Risiko für Metastasen (RR 0,68, p=0,04). Bei hohem Progressionsrisiko ergab sich kein Unterschied.

„Das erweiterte Follow-up bestätigte eine erhebliche Abnahme der Mortalität nach radikaler Prostatektomie“, fassen die Autoren zusammen.

James McKiernan, Direktor der Uro-Onkologie am NewYorker Presbyterian Hospital und am Columbia University Medical Center, sagte gegenüber dem “Wall Street Journal”, die Ergebnisse dürften den Ärzten helfen, Patienten besser herauszufinden, denen eine Operation nützen würde. „Zunächst sieht dies aus wie ein grünes Licht, um jeden zu operieren, aber was es wirklich tut, ist eine Menge Licht auf die Untergruppe von Patienten zu werfen, die von einer Operation profitieren werden“, so McKiernan. „Der jüngere Patient mit relativ aggressivem Krebs ist derjenige, der am meisten von der Behandlung haben wird.“
Lit.: Bill-Axelson A, Holmberg L, Garmo H et al. Radical prostatectomy or watchful waiting in early prostate cancer. N Engl J Med. 2014 Mar 6;370(10):932-42. doi: 10.1056/NEJMoa1311593.

©Schmitz, Markus; Redakteur Urilogische Nachrichten