Wer also viel sucht, der findet auch viel.

Und reiche Länder können es sich nun einmal leisten, ihre Bevölkerung regelmäßig mit modernen Methoden zu untersuchen. Allerdings hat sich gerade China in rasantem Tempo entwickelt. So sind Menschen in städtischen Zentren heute gesundheitlich besser versorgt als vor 20 Jahren.Daher erstaunt es nicht, dass auch dort die Prostatakrebs-Raten gestiegen sind. Damit ist der Abstand zu anderen Ländern seit 1990 deutlich geschrumpft. 2008 erkrankten in den USA anteilmäßig „nur“ noch knapp 20-mal so viele Männer wie in China.

 

Die Zahlen hat die Internationale Agentur für Krebsforschung in Lyon (Frankreich) erhoben, eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Allerdings gibt es weitere Veränderungen in China, welche die steigenden Raten möglicherweise erklären. „Zahlreiche Studien zeigen, dass der westliche Lebensstil das Risiko erhöht“, sagt Katalinic.

Pca Faktor Gewicht

© Apothekenumschau 17.02.2011 / Westlicher Lebensstil

Wandel in China

Zwar dominieren auf Chinas Straßen nach wie vor Fahrräder, und die Mehrzahl der Menschen verdient ihr Geld noch mit körperlicher Arbeit. Doch zunehmend mehr Chinesen kaufen ein Auto und haben eine Arbeit, die sie vorwiegend sitzend ausu?ben.

Auch die Essgewohnheiten wandeln sich. So ernähren sich Chinesen traditionell hauptsächlich von Reis und Gemüse, doch mit wachsendem Wohlstand wächst ihr Hunger nach Fleisch, und Schnellimbiss-Restaurants mit westlichem Speisenangebot florieren in den Städten.

Auch an Gewicht hat die Bevölkerung in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Obwohl der Anteil fettleibiger Menschen landesweit nach wie vor niedrig ist, liegt er in einigen chinesischen Städten bereits bei mehr als 20 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland gelten 15 Prozent der Erwachsenen als fettleibig, in den USA 34 Prozent.

Lebensgewohnheiten beeinflussen das Prostatakrebs-Risiko.

Darin sind sich die Epidemiologen einig. Allerdings gibt es wenig gesichertes Wissen darüber, was im Einzelnen den Unterschied ausmacht. Denn die Studien liefern unklare und teils widersprüchliche Ergebnisse.

Zwei Forscher in Australien haben kürzlich den Wirrwarr geordnet. Sie gingen der Frage nach, inwieweit eine bestimmte Ernährung das Prostatakrebs-Risiko senken kann. Dazu analysierten sie die Fachliteratur zum Thema und veröffentlichten die Ergebnisse 2009 in einer Fachzeitschrift.

Ihre Antworten fallen sehr vorsichtig aus. Die Forscher kamen etwa zu dem Schluss, dass „ein hoher Fleischverzehr möglicherweise das Prostatakrebs-Risiko erhöht“, weil die Mehrheit der Studien diesen Effekt bestätigte. Andere allerdings fanden Belege für das Gegenteil oder entdeckten gar keinen Zusammenhang. Auch zu viele tierische Fette und zu viel Gesamtfett im Essen sollen das Risiko für Prostatakrebs erhöhen.

Beides fanden die Forscher durch die Literatur belegt. Ergebnis: 20 von 26 Studien bestätigten eine Risikoerhöhung durch Fette allgemein, 14 von 19 Studien durch tierische Fette. Als Risikofaktoren stehen auch Milchprodukte unter Verdacht, die andererseits eine wichtige Quelle für das lebenswichtige Kalzium sind. Doch gibt es Hinweise darauf, dass mehr als 1,5 Gramm Kalzium pro Tag das Prostatakrebs-Risiko erhöhen – schätzungsweise um maximal 20 Prozent.

Dr. Michael de Vrese vom Bundesforschungsinstitut fu?r Ernährung und Lebensmittel erklärt, warum: „Ist der Körper gut mit Kalzium versorgt, drosselt er die Bildung von Vitamin D.“ Dieses Hormon wiederum reguliert die Aufnahme von Kalzium in das Blut und den Einbau des Minerals in die Knochen, „und ist zudem wahrscheinlich ein Schutzfaktor vor Prostatakrebs“, fügt de Vrese hinzu.

Wer deswegen allerdings glaubt, er solle besser auf Kalzium und Milchprodukte verzichten, muss wissen, dass er dadurch nicht nur das Risiko von Osteoporose erhöht, sondern wahrscheinlich auch das von Dickdarmkrebs und von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Schutzfaktoren

Auch weitere Bestandteile der Nahrung werden als Schutzfaktoren gehandelt. Der australischen Analyse zufolge gibt es die stärksten Belege für Tomaten, deren Inhaltsstoff Lycopin und für das Spurenelement Selen. Allerdings herrscht in weiten Teilen Chinas Selenmangel, und Tomaten gehören eher zur westlichen als zur traditionell asiatischen Kost. Die niedrigen Prostatakrebs-Raten in China lassen sich so also nicht erklären.

Produkte der Sojapflanze könnten allerdings dazu beitragen. Auch für diese Pflanze gibt es Hinweise auf eine Schutzwirkung, aber noch keinen Beweis. Das Gleiche gilt für Brokkoli und weitere Kohlarten sowie einige andere Gemu?se. Kaum belegt ist hingegen die schützende Wirkung von Fisch und grünem Tee.

Professor Nikolaus Becker, Epidemiologe am Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg, fasst den Kenntnisstand so zusammen: „Wir wissen, dass der Lebensstil das Prostatakrebs-Risiko stark beeinflusst, können es aber im Einzelnen nicht erklären. Wahrscheinlich liegt es an einer Kette von Faktoren, von denen jeder für sich nur wenig ausmacht.“

Denn hätte ein Bestandteil der Nahrung einen großen Einfluss, hätten die Forscher ihn bereits aufgespürt. So raten Experten allgemein zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Fisch, maßvollem Fleischkonsum und wenig Wurst.

Alkohol sollten Männer, wenn u?berhaupt, maßvoll trinken, und zudem sollten sie nicht rauchen. Beides erhöht zwar nicht das Risiko für Prostatakrebs, aber das für andere Tumore. Katalinic: „Raucher erkranken 20-mal so oft an Lungenkrebs wie Nichtraucher.“ An diesem Tumor starben 2006 in Deutschland fast 29 000 Männer – zweieinhalb Mal so viele wie an Prostatakrebs.

Vererbtes Risiko:

  • 20 Prozent aller Männer in Deutschland sind besonders gefährdet, einen Prostatatumor zu entwickeln. Welche Erbanlagen dahinterstecken, ist noch längst nicht geklärt.
  • Daher erheben Ärzte auch die familiäre Krankheitsgeschichte, um das persönliche Risiko eines Mannes abzuschätzen. Dieses verdreifacht sich zum Beispiel, wenn bereits der Vater an Prostatakrebs erkrankte, und steigt auf bis zu 50 Prozent bei weiteren nahen Verwandten mit diesem Tumor.

© Dr. Achim Schneider / Apotheken Umschau / Apotheken Umschau, 17.02.2011