DGU-Kongress 2013

Hitzige Diskussionen im Fernsehen gibt es genug. Mit dem ersten „Öffentlichkeitsforum“ in der Geschichte des DGU-Kongresses schafften es die Organisatoren, eine sachliche Diskussion über Nutzen und Schaden des PSA-Screenings auf die Bühne zu bringen.

 

DGU-Präsident Michael Stöckle hatte als PSA-Skeptiker Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und Bernhard Egger vom GKV-Spitzenverband eingeladen. Koch betonte, dass dem möglichen Nutzen eines PSA-Screenings ein möglicher Schaden entgegengehalten werden müsse. Es reiche nicht, nur über die Mortalitätsraten zu diskutieren. „Der Schaden zeigt sich früh, der Nutzen spät“, so Koch. Mit Schaden sind dabei die Überdiagnostik und –therapie gemeint, also Patientenverunsicherung, unnötige Biopsien und Komplikationen nicht notwendiger Prostatektomien. Koch wies darauf hin, dass bisher noch kein Antrag beim Gemeinsamen Bundesausschuss gestellt wurde, um den PSA-Test zur Prostatakrebsfrüherkennung in die GKV-Leistungen aufzunehmen. Egger betonte, dass nicht die viel gescholtenen Krankenkassen diejenigen seien, die die Übernahme des PSA-Tests verweigerten, sondern dass im G-BA auch die Ärzte der Meinung seien, dass ein bevölkerungsweites Screening derzeit nicht zu empfehlen sei.

In der Tat ist auch die DGU von dieser Vorstellung abgerückt. In der S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom wird empfohlen, den PSA-Test bei informierten Männern mit Früherkennungswunsch durchzuführen. Die Experten streben heute ein risikoadaptiertes Screening an, bei dem die Patienten je nach Morbiditäts- und Progressionsrisiko gescreent werden, aber nicht alle durch die Bank. Zudem versucht man einen neuen Ansatz, indem ein Basis-PSA-Wert gemessen wird, auf dessen Grundlage weitere Messwerte beurteilt werden soll. Prof. Peter Albers aus Düsseldorf stellte hierzu die PROBASE-Studie vor, die den optimalen Zeitpunkt der Ermittlung des Basis-PSA-Wertes herausfinden soll.

Kassenvertreter Egger beharrte darauf, dass auch ein risikoadaptiertes Screening seinen Nutzen beweisen müsste. Vorher könne die Leistung nicht in den GKV-Katalog aufgenommen werden. Dem hielt Prof. Franz Recker vom Prostatazentrum Aarau/Schweiz, entgegen, der Nutzen des PSA-Testes sei seit langem unstrittig. Für keine Krebsentität sei der präventive Nutzen so gut bewiesen. Es gehe nur noch darum, wie das Ausmaß an Überdiagnostik und –therapie reduziert werden könne. Recker zeigte auf, wie dies mithilfe von multivariaten Risikokalkulatoren erzielt werden kann. „Wir beginnen ein Finetuning in der Disgnostik und Therapie“, so Recker.

Prof. Axel Semjonow aus Münster, eine der Moderatoren, betonte, dass viel gewonnen wäre, wenn Ärzte häufiger zur Aktiven Überwachung (AÜ) bereit wären. In diese Richtung ging auch Paul Enders vom Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe: „Wenn AÜ zu wenig praktiziert wird, ist dafür nicht der PSA-Test verantwortlich.“

Quelle: Urologische Nachrichten, Autor: Markus Schmitz