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Bei unwillkürlichem Harnabgang nach Entfernung der Prostata gibt es zahlreiche operative Behandlungsmöglichkeiten.

Nach radikaler Prostatektomie, aber auch nach Bestrahlung kann es zu einer anhaltenden Harninkontinenz kommen. Es handelt sich dabei in der Regel um eine Belastungsinkontinenz, das heißt um einen Urinverlust ohne Harndrang bei Druckerhöhung im Bauchraum (z.B. beim Husten, Niesen oder Lachen. Ursache ist der Verlust des inneren Schließmuskels,eine Schädigung des verbleibenden Schließmuskels oder seiner stabilisierenden Bänder oder, weil der Blasenhals jetzt nicht mehr von der Prostata unterstützt wird.

Die Behandlung erfolgt zunächst im Rahmen der Rehabilitation durch Vorlagen, Medikamente und Beckenbodentraining, Letzteres auch mit Hilfe des Biofeedbacks (mit Rückmeldung des Erfolgs) oder der Elektro- oder Magnetfeldstimulation. Sollte die Inkontinenz damit nicht in den Griff zu bekommen sein, kann je nach Patient und Befunden eines von zahlreichen verschiedenen operativen Verfahren in Betracht kommen. Sie lassen sich nach der Art der Methode und der Größe des notwendigen Eingriffs in folgende drei Gruppen einteilen:

„Bulking“: Einbringen von Füllmaterial

Die Verengung der Harnröhre mit Füllmaterial (engl. „bulking agents“ von bulk = große Menge, bulky = sperrig) kann durch Unterspritzung ihrer Schleimhaut mit verschiedenen Substanzen geschehen (z.B. Silikon, Kollagen). Dies ist der einfachste Eingriff, seine Erfolgsaussichten sind jedoch geringer als bei anderen Verfahren.

Eine andere Möglichkeit ist, in einem kurzen Eingriff vom Damm aus jeweils einen kleinen Ballon links und rechts der Harnröhre unterhalb der Blase zu platzieren. Von ihnen aus führen dünne Schläuche in den Hodensack. Falls erforderlich lässt sich darüber später mit einer Spritze die Füllung der Ballons erhöhen. Dieses System ist ungeeignet, falls eine Nachbestrahlung des Prostatabereichs erfolgt, und es muss relativ oft wegen Komplikationen entfernt werden, lässt sich aber manchmal später wieder einsetzen. Insgesamt brauchten 71% der Patienten nach 6 Monaten nur noch maximal eine Vorlage, nach etwa einem Jahr war bei 70% zumindest eine deutliche Verbesserung zu verzeichnen.

Schlingensysteme: Einengung und Verlagerung der Harnröhre

Solche Systeme umfassen die Harnröhre von unten oder hinten mit einem Band, dessen Enden nach vorne oben zum Schambein oder vorne seitlich zum Sitzbein geführt werden. Damit wird die Harnröhre mehr oder weniger einengt und in ihre frühere Position verlagert. Die Systeme unterscheiden sich zusätzlich im Material und darin, ob eine spätere Adjustierung (Anpassung der Spannung) möglich ist oder nicht. Nach neuen Untersuchungen, zum weit überwiegenden Teil an Männern mit milder bis mäßiger Belastungsinkontinenz nach radikaler Prostatektomie, ergab sich, dass der tägliche Vorlagenverbrauch nach dem Eingriff deutlich absank (jeweils Mittelwerte, kontinent = maximal eine Sicherheitsvorlage nötig): Direkt danach von 5,1 auf 1,8, davon 38% kontinent und 48% gebessert. beziehungsweise von 4,4 auf 1,1 (Gozzi, 67 Patienten, davon 52% kontinent und 38% maximal 2 Vorlagen. Es wird aber auch von Komplikationen berichtet, vor allem ein Harnverhalt nach der Entfernung des Harnblasenkatheters und Wundheilungsstörungen, von der gelegentlich nötigen Wiederholung des Eingriffs und von Zusatzbehandlungen zur Verbesserung der Ergebnisse. Zudem empfiehlt sich bei schwerer Belastungsinkontinenz der Einsatz nicht; es fehlen auch Langzeitergebnisse.

Artifizieller Sphinkter: Einpflanzen eines künstlichen Schließmuskels

Dies ist als Goldstandard zur Behandlung der Belastungsinkontinenz nach radikaler Prostatektomie zu betrachten. Denn seit mehr als 20 Jahren gibt es ein System, dessen Wirksamkeit und Sicherheit durch viele Studien belegt ist. Es besteht aus einer Manschette um die Harnröhre, einem kleinen Ballon unter der Haut und einer Pumpe im Hodensack, mit deren Hilfe der Patient zum Wasserlassen Flüssigkeit von der Manschette in den Ballon pumpen kann. Die Kontinenzrate liegt bei 60-93% (Anteil derer, die „trocken“ sind), wobei Komplikationen auftreten können und im Lauf der Zeit des öfteren erneute Eingriffe zur Korrektur oder zum Austausch nötig werden. Nachteilig sind der größere Eingriff, die hohen Kosten und die erforderliche Geschicklichkeit des Patienten.

Fazit

Zur Behandlung der Belastungsinkontinenz nach radikaler Prostatektomie gibt es heutzutage eine Fülle von Verfahren, die ständig weiterentwickelt werden. Und es kommen immer neue hinzu. Diese Tatsache und die Vielzahl der Verfahren sprechen dafür, dass keines der Verfahren ideale Langzeitergebnisse nachweisen kann. Welches davon im Einzelfall das geeignetste ist, richtet sich sehr individuell nach der vorausgegangenen Therapie (z.B. Bestrahlung), den Befunden (z.B. der Schwere der Inkontinenz) und nach den Wünschen und Möglichkeiten des Betroffenen.

 


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