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Diagnose Krebs

Wer die Nachricht von seinem Arzt bekommt, fällt meist in ein tiefes Loch. Und auch die nächsten Angehörigen gehen von einem auf den anderen Tag durch die Hölle. Es ist ein Schicksalsschlag für die Partnerschaft und für die ganze Familie.

Ein Mann im besten Alter, mitten im Saarland. Mit Hoffnungen und Ängsten war er zum Arzt gegangen, der ihm heute die Diagnose verkünden würde. Die Diagnose war niederschmetternd: Prostatakrebs. Was würde seine Frau sagen? Abends sitzen sich beide gegenüber. Ratlosigkeit, Sprachlosigkeit. Kann eventuell doch noch etwas gemacht werden? Der Sohn, noch ein kleines Kind, bekommt mit, dass mit Papa etwas nicht stimmt. Der Kleine ist völlig verstört.

Der Mann lässt sich behandeln, schwankt weiter zwischen Hoffnungen und Ängsten. Klar, er kann mit seiner Frau sprechen. Aber  er ist es nicht gewöhnt, über seine Gefühle zu sprechen. Und versteht sie ihn auch wirklich? Er hat das Gefühl, plötzlich alleine auf der Welt zu sein. Sicher er hat Freunde, -aber ob einer von denen ihm wirklich helfen kann? Seine Frau fällt es leichter,  über ihre Gefühle zu reden. Sie kennt auch Hilfsmöglichkeiten und Adressen, wo man ehrlich über seine Fragen und Ängste reden kann. Sie erzählt ihrem Mann davon. Der blockt ab: Das schaffen wir alleine. Er, der im Leben schon so viel geschafft hat. Beförderung im Beruf, Auto ohne Kredit, der Urlaub war schon gebucht. Er brauche keine Seelenklempner. Sagt er. Noch.

Angehörige haben oftmals Angst, das Falsche zu tun.

Diagnose Krebs – das hat nicht nur Auswirkungen auf den kranken Menschen. Auch auf die Angehörigen, die Familie.

Frau Doris Schwarz-Fedrow ist nicht nur Geschäftsführerin der Saarländischen Krebsgesellschaft. Sie arbeitet auch praktisch mit Kranken und deren Angehörigen. Aus ihrer Arbeit erzählte Schwarz-Fedrow wissenschaftlich fundierte Erfahrungen: „Eine Diagnose Krebs ist ein Schicksalsschlag für die ganze Familie. Es ist eine Krise. Es beginnt ein gemeinschaftlicher Prozess.“

Sie zitiert das chinesische Wort für Krise – Wu ji. Es bedeute einerseits Gefahr, Risiko, andererseits Gelegenheit, Chance.

Doris Schwarz-Fedrow: „Manche Partnerschaften zerbrechen. Andere erleben ein viel intensiveres Miteinander.“

Gefühle kommen auf.


Bei der Krebserkrankung kommen Gefühle auf: Kränkung, Hoffnungslosigkeit, Ängste zum Beispiel. Oder auch Wut. Die Rollen werden neu verteilt. Der Partner oder die Partnerin müssen Aufgaben übernehmen, die bisher von der betroffenen Person erledigt wurden. Hinzu kommt: Angehörige haben plötzlich Angst, das „Falsche“ zu tun. Besonders schlimm: Krebs ist ein Tabu-Thema. Und dieses Tabu drängt alle Beteiligten in die Isolation.

Doris Schwarz-Fedrow machte an diesem Abend allen Angehörigen Mut: „Wir erkranken keinen Tag früher an Krebs, wenn wir über Krebs reden. Genauso wenig, wie wir einen Tag früher sterben, wenn wir über das Sterben reden.“

Dabei sind Barrieren zu überwinden. Einerseits kann jemand Hilfe verweigern. Andererseits überfordert sich der Partner. Es kann zu Aggressionen kommen.

 

Seelenpflege

Wichtig für die Partnerin oder den Partner ist,  für sich selber „Seelenpflege“ zu betreiben. Morgens zu fragen, was für das eigene Wohlergehen getan werden kann. Mittags eine Pause einlegen, zum Beispiel einen Spaziergang. Und abends den Tag reflektieren. Mitteilen, und wenn es das Tagebuch ist. Die Frage nach dem Warum ist sinnlos: Da rennt man gegen eine Wand. Es ist viel heilsamer, sich positive Bilder anzuschauen. Und das Wichtigste bei der persönlichen „Seelenpflege“ ist, diese regelmäßig zu betreiben.

Angehörige sollten sich die Frage stellen: Wo kann ich noch Hilfe bekommen?

Die gibt es zum Beispiel kompetent bei der Saarländischen Krebsgesellschaft, die Tumorkranke und deren Angehörige kostenlos berät und unterstützt. In Saarbrücken, Homburg, Lebach, St. Wendel und Völklingen gibt es Ansprechpartnerinnen. Doris Schwarz-Fedrow: „Der Zulauf wird immer stärker. Wir haben schon Wartezeiten bis zu drei Wochen.“

Es wird praktische Hilfe geleistet – so beim Ausfüllen von Anträgen für Schwerbehindertenausweise, Rente, Umschulung oder häusliche Pflege. Doch es geht in den Beratungsgesprächen auch um eine veränderte Lebenseinstellung – nach dem Motto: Hoffnung stärkt, Illusion schwächt.

Doris Schwarz-Fedrow an die Angehörigen: „Sie müssen nicht grenzenlos ertragen, was der Kranke Ihnen zumutet. Nehmen Sie jede Antwort des Kranken ernst. Aber nehmen Sie sich auch selbst ernst.“ Ohnehin sei nicht alles nachfühlbar. Beispiel Schmerzen. „Der Kranke empfindet sie anders als der Angehörige.“ Sie erlebe, so Schwarz-Fedrow, bei Angehörigen häufig ein Erschöpfungssyndrom.

Es bewährt sich auch, was schon die alten Römer wussten: Carpe diem – nutze den Tag. Schwarz-Fedrow: „Schauen Sie nicht so sehr in die Zukunft. Schauen Sie, was heute zu erledigen ist.“ Dabei immer wieder überprüfen, ob der Kranke nicht auch losgelassen werden muss – um sich selbst zu schützen.

Damit die Tumorkranken und ihre Angehörigen mit ihren teilweise neuen, belastenden Gefühlen besser umgehen können, bietet die Saarländische Krebsgesellschaft nicht nur Gespräche in den Beratungsstellen an. Auch Hausbesuche und Besuche in Kliniken sind möglich. Doris Schwarz-Fedrow: „Es handelt sich nicht um eine Therapie, sondern um ein Gepräch.“

In der Familie sprechen die Frau und der Mann über das, was werden soll. Wird er seinen Beruf noch ausüben können? Zahlt die Krankenkasse auch wirklich alles? Fragen, Sorgen. Eines wird umgangen: Soll der Mann sich einer OP unterziehen. Wird er seine Potenz verlieren? Wird er inkontinent sein? Er hat Angst. Angst vor dem Verlust seiner Männlichkeit. Angst, von seiner Frau verlassen zu werden.

Am nächsten Tag nimmt er allen Mut zusammen und ruft an:

  • Saarländische Krebsgesellschaft e.V.

0681 – 95 90 66 75, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

  • Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Saarbrücken n.e.V.

0681 - 87 28 81, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

  • Bundesverbandes Prostatakrebs e.V.

0800 – 79 80 123 : Beratungshotline (Die Berater sind zu erreichen dienstags, mittwochs und donnerstags (außer an bundeseinheitlichen Feiertagen) in der Zeit von 15 Uhr bis 18 Uhr unter der gebührenfreien Service-Rufnummer.)


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