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Warum der PSA-Test umstritten ist.


Wir geben in diesem Beitrag die Auffassung des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. wieder, veröffentlicht in "Prostatakrebs Patienteninformation - Soll man(n) oder soll man(n) nicht? - Früherkennung", Gehrden 2009.


Zur Verunsicherung vieler Männer wird seit geraumer Zeit darüber gestritten, ob eine PSA-basierte Früherkennung nutzbringend ist oder inwieweit sie sogar Schaden anrichten kann. Die Diskussion dreht sich vor allem um zwei Punkte:

  • Es wird kritisiert, dass eine PSA-basierte Früherkennung in vielen Fällen zu einer Überdiagnose führt, weil bei einem erhöhten PSA-Wert häufig Biopsien veranlasst werden, die sich im Nachhinein als unnötig erweisen (weil in der Gewebeprobe keine Prostatakrebszellen zu finden waren und der erhöhte PSA-Wert daher – wahrscheinlich – eine andere Ursache hatte).
  • Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass eine PSA-basierte Früherkennung zu einer Übertherapie führt, weil durch den PSA-Test zwar viele Prostatatumoren im Frühstadium entdeckt werden, viele dieser Tumoren aber erfahrungsgemäß zeitlebens keine Beschwerden verursachen und daher nicht behandlungsbedürftig sind. Mit Blick auf die Einführung eines flächendeckenden Früherkennungsprogramms (sogenanntes PSA-Screening) stellt sich insofern zugleich die Frage, ob und inwieweit ein solches Programm zur Senkung der prostatakrebsbedingten Sterblichkeit führen kann.


Der Kritik am PSA-Test ist folgendes entgegenzuhalten:


  • Der PSA-Test ist zurzeit die beste verfügbare Methode zur frühzeitigen Erkennung von Prostatakrebs, und als solche unverzichtbar, weil nur bei einer frühzeitigen Erkennung von Prostatakrebs eine Heilung möglich ist.
  • Das aus der mangelnden Spezifität des PSA-Tests resultierende Problem der Überdiagnose kann durch eine differenzierte und wissenschaftsbasierte Handhabung der PSA-Werte (PSA-Anstiegsgeschwindigkeit, PSA-Verdoppelungszeit) und das Einbeziehen weiterer PSA-bezogener Parameter (PSA-Dichte, PSA-Quotient) deutlich relativiert werden. Hierdurch kann die Gefahr, einer unnötigen Biopsie unterzogen zu werden, zwar nicht völlig ausgeschlossen werden. Diese Gefahr muss jedoch gegen die Möglichkeit abgewogen werden, rechtzeitig einen potenziell tödlichen Prostatatumor zu entdecken. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich bei der Biopsie um einen relativ harmlosen Eingriff handelt, so dass es vertretbar erscheint, ein gewisses Überdiagnose-Risiko in Kauf zu nehmen.
  • Das Argument der Übertherapie, wonach ein PSA-Screening in weitem Umfang zur Entdeckung und Behandlung von im Grunde harmlosen Prostatatumoren führt, ist irreführend. Denn die Unterscheidung zwischen einem harmlosen und einem aggressiven Prostatatumor suggeriert die Gleichsetzung „einmal harmlos, immer harmlos“. Dies trifft jedoch nicht zu, weil man sich nicht darauf verlassen kann, dass ein zunächst wenig aggressiver Tumor diese Eigenschaft für immer beibehält. Daher ist es besser, das „Problem“ zu kennen und auf Veränderungen reagieren zu können, als die Augen vor einer möglichen Krebsgefahr zu verschließen und zu hoffen, dass, falls man Prostatakrebs hat, es sich schon um eine (auf Dauer) harmlose Tumorvariante handeln wird.
  • Das Argument der drohenden Übertherapie impliziert im Übrigen, dass die Diagnose „Prostatakrebs“ automatisch zu einer operativen Entfernung der Prostata mit all ihren – teilweise lebenslang belastenden – Nebenwirkungen führt. Auch dies trifft so jedoch nicht zu: Der Automatismus „Prostatakrebsdiagnose => Totaloperation“ entspricht zwar einer verbreiteten Praxis; in vielen Fällen ist dies jedoch keineswegs zwingend. Neben der operativen Entfernung der Prostata (sogannte Radikale Prostatektomie, RPE) gibt es heute eine Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten des Prostatakrebses, die ein anderes Komplikationsprofil aufweisen. Bei einem Krebs mit niedriger Agressivität kann zunächst sogar eine gänzlich abwartende Haltung – ohne therapeutische Intervention – eingenommen werden (sogenannte Aktive Überwachung oder „Active Surveillance“).
  • Mittlerweile liegen erste Hinweise darauf vor, dass ein flächendeckendes PSA-Screening zur Senkung der prostatakrebsbedingten Sterblichkeit führen kann. Dies hat jedenfalls die bislang größte Studie über die Auswirkungen von PSA-basierten Früherkennungsuntersuchungen auf die Prostatakarzinom-Sterblichkeit ergeben. Es handelt sich dabei um die „European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer“ (ERSPC), deren Ergebnisse im März 2009 veröffentlicht wurden. Bezogen auf die 205.000 Studienteilnehmer hat sich gezeigt, dass die Zahl der prostatakrebsbedingten Todesfälle durch ein PSAScreening gesenkt werden konnte.

 




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